Generationswechsel bei Schnabl Stecktechnik
"Wir wollen Elektrikern das Leben erleichtern"
Paul Zahlbruckner ist neuer Geschäftsführer von Schnabl Stecktechnik. Er folgt auf Wolfgang Bruckbauer, der sich im Oktober aus der operativen Geschäftsführung des Entwicklers von Befestigungstechnik zurückzieht. Zahlbruckner ist seit 2022 beim Unternehmen mit Sitz im österreichischen St. Pölten tätig. Im Interview gibt er exklusive Einblicke in den vermeintlichen Nischenmarkt, lässt seine ersten Monate Revue passieren und erklärt, warum es ihm nicht um waghalsige Experimente geht.
Bild: Schnabl Stecktechnik GmbHWelche Themen haben Sie in Ihren ersten Monaten als Geschäftsführer besonders beschäftigt?
Paul Zahlbruckner: Im Vordergrund stand für mich eine reibungslose Übergabe. Ich habe eng mit meinem Vorgänger Wolfgang Bruchbauer zusammengearbeitet, um Strategien, Wissen und Erfahrungen zu übernehmen und so Kontinuität zu sichern. Er wird uns auch weiterhin in beratender Funktion zur Seite stehen. Parallel war mir der direkte Austausch mit den Kollegen wichtig. Ein Führungswechsel bringt automatisch Fragen und Unsicherheiten mit sich. Deshalb wollte ich von Tag eins an präsent sein. Operativ gab es für mich keine großen Brüche. Ich bin seit drei Jahren an Bord und konnte laufende Projekte teilweise nahtlos weiterführen. Die Übergabe war außerdem lange vorbereitet. Meine Priorität lag daher zunächst auf Stabilität und Motivation im Team. Mit Schnabl bin ich übrigens schon vor über zehn Jahren bei einem Praktikum in Kontakt gekommen, es herrscht also eine lange Verbundenheit.
Was für Herausforderungen sehen Sie in der Elektroinstallation aktuell?
Zum einen nimmt die Komplexität durch Normen und Sicherheitsanforderungen stetig zu. Mit jedem neuen Produkt müssen normative Dinge wie Brandschutz, Fehlerstromschutz oder technische Schutzmaßnahmen neu geprüft werden. Das bedeutet einerseits, schnell reagieren können zu müssen, andererseits sind diese Prozesse langwierig und verlangen nach Knowhow. Ein zweites großes Feld sind die erneuerbaren Energien. Themen wie PV, Speichertechnik, Ladeinfrastruktur und smarte Vernetzung verändern Planung und Installation. Hier braucht es ebenfalls Flexibilität. Darüber hinaus spüren wir natürlich auch die komplexen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Bauindustrie. Projekte verzögern sich, Preise steigen, damit muss man umgehen.
Wie begegnen Sie der zunehmenden Komplexität auf Unternehmensseite?
Wir betrachten Komplexität nicht als Schreckgespenst, sondern akzeptieren die Umstände und blicken optimistisch auf Herausforderungen. Dieser lösungsorientierte Ansatz ist ständiger Motivator. Dabei hilft uns natürlich unser Knowhow im Bereich Elektroinstallation, um komplexe Sachverhalte zu vereinfachen. Neue Werkzeuge wie KI motivieren uns zusätzlich, Prozesse weiter zu verschlanken und nötige Ressourcen freizumachen. So gelingt es uns, Herausforderungen anzunehmen und für unsere Kunden nachhaltige, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.
Bild: Schnabl Stecktechnik GmbHZuvor waren Sie u.a. für das Thema Expansion verantwortlich. Welche Märkte sind aktuell besonders interessant?
Meine vorherige Rolle als Business Devel-opment Manager habe ich immer zweigeteilt verstanden. Einerseits ging es um die Expansion, andererseits um interne Themen. Wir haben viele Prozesse digitalisiert und neue Strukturen implementiert. Mit Blick auf die Märkte sehe ich drei Ebenen. Erstens geht es darum, Länder, in denen wir bereits aktiv sind, zu betreuen und mit neuen Produktideen zu versorgen. Der DACH-Raum ist und bleibt unsere Heimat. Zweitens legen wir großen Wert auf die Unterstützung unserer globalen Vertriebspartner. Wir bleiben eng in der Kommunikation und fördern den Austausch, um die Märkte gemeinsam weiterzuentwickeln. Und drittens treiben wir die Expansion in neue Regionen voran. Es kommt immer wieder vor, dass Unternehmen auf uns zukommen, die unsere Lösungen noch gar nicht richtig kennen, und plötzlich entsteht enormes Potenzial. Das haben wir in osteuropäischen Märkten erlebt. Mittel- und langfristig sehen wir auch in Emerging Markets wie Südamerika oder Afrika große Chancen, unsere Produktlösungen zu positionieren.
Wie gestalten Sie Innovation und Entwicklung bei Ihren Lösungen?
Unsere Produktideen entstehen direkt aus dem Markt: Anwender schildern uns ihre Probleme und wir ergänzen diese Impulse mit unserem Knowhow. Man darf nicht vergessen: Die Befestigungstechnik ist eine Nische in der Nische der Elektroinstallation. Genau darin haben wir uns über 40 Jahre hinweg spezialisiert. Durch den engen Austausch mit unseren Partnern erhalten wir wöchentlich neue Anregungen und können schnell auf Veränderungen bei Normen oder Gesetzen reagieren, auch international. In der Entwicklung arbeiten interdisziplinäre Teams zusammen, vom Produktman-agement über die Technik bis zum Werkzeugbau. So entstehen Lösungen, die bis ins Detail durchdacht und mit allen Anforderungen kompatibel sind. Unser Anspruch dabei: Wir wollen Elektrikern das Leben erleichtern. Und unsere Pipeline ist gut gefüllt. Wir arbeiten ständig an neuen Produkten, passen Lösungen an und entwickeln Prototypen.
Welche Anforderungen stellen Ihre Kunden heute an die Befestigungstechnik?
Planer und ausführende Installateure haben unterschiedliche, aber konkrete Anforderungen an die Befestigungstechnik. Für die Planer stehen Sicherheit, Normenkonformität und Planungsunterstützung im Vordergrund. Dazu gehört alles von Brandschutz über Temperaturbereiche bis hin zu ausführlichen Datenblättern.
Da arbeiten wir auch mittels Produktschulungen eng zusammen. Die Installateure legen Wert auf Montagefreundlichkeit, Geschwindigkeit und Fehlervermeidung. Auch die Zuverlässigkeit der Produkte ist entscheidend. Vertrauen in die Marke bauen wir durch Produktdemos auf Baustellen, bei Kunden und in unserer Firma auf. Die Befestigungstechnik mag eine Nische sein, aber sie ist das kritische Bindeglied zwischen Bauwerk und Bauteilen. Deshalb ist es wichtig, dass sowohl Planer als auch installierende Unternehmen die Informationen, Sicherheit und Qualität erhalten, die sie für eine korrekte Umsetzung benötigen.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken?
Unsere Befestigungslösungen sind nicht auf die Elektroinstallation beschränkt, sondern lassen sich auch im SHK-Bereich einsetzen. So werden unsere Flexi-Clips von Kunden genutzt, um Wasserleitungen zu installieren. Ein weiteres Feld ist der Trockenbau. Für uns ist das vergleichbar mit der Elektroinstallation im Beton. Nur das Material ist ein anderes. Mit unseren C-Fix-Schellen oder speziellen Dübeln bieten wir hier passende Lösungen. Damit ermöglichen wir sichere Befestigungen auch in leichten Konstruktionen. Wir hören zu, wenn Kunden sprechen. Daraus entstehen Lösungen, die über den Tellerand hinaus gehen und die Arbeit in unterschiedlichen Gewerken effizienter machen.
Sie betonen die Effizienz: eine Hilfe auch beim Thema Fachkräftemangel?
Elektrikern das Leben so leicht wie möglich machen, das ist nicht nur ein Marketing-Slogan, sondern gelebte Realität. Unsere Befestigungssysteme sparen bis zu 60 Prozent Zeit bei der Installation. Das bedeutet: Ein Elektriker, der mit unseren Produkten arbeitet, ist so effizient wie zwei mit herkömmlichen Methoden. Das kann entweder helfen, mit weniger Personal die gleiche Projektanzahl zu stemmen, oder mit gleicher Mannschaft mehr Projekte umzusetzen. Denn natürlich ist das Thema Fachkräftemangel real und wird auf den Baustellen sichtbar. Wir selbst sind gut aufgestellt, haben wenig Fluktuation und setzen auf Mitarbeiterförderung. Das hilft, Fachkräfte langfristig zu binden. Ich bin überzeugt: Man kann das Thema entweder nur beklagen oder angehen. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Das geben wir so weiter. Lösungen, die das Tagewerk schneller, effizienter und am Ende angenehmer machen - dann macht die Arbeit Spaß und Menschen sind interessiert.
Bild: Schnabl Stecktechnik GmbHWo sehen Sie bei Ihrer Produktentwicklung noch weiteres Potenzial?
Wir haben heute schon viele Lösungen für unterschiedliche Installationen: Von klassischen Befestigungssystemen bis hin zu speziellen Problemlösern. Wichtig ist für uns, diese Produkte noch stärker in die Breite zu bringen, also wirklich alle Anwender zu erreichen. Hier sehe ich ein großes Feld: Information, Beratung und Nähe zum Markt. Spannend wird es auch im Kontext von Digitalisierung. Jede digitale Maßnahme braucht am Ende Kabel und eine sichere Installation. Ohne Befestigungstechnik läuft da nichts. Unser Ziel ist es, nicht nur einzelne Problemlöser, sondern ein ganzheitliches Paket aus Produkt und unserem Knowhow anzubieten.
Wie vermittelt man das am Besten?
Am wirkungsvollsten ist es eindeutig Hands-on. Die Anwender wollen die Produkte in der Hand haben, ausprobieren und selbst testen. Das merken wir bei Messen. Wenn wir dort mit einem Auszugstest zeigen, welche Lasten ein Steckdübel tatsächlich aushält, sind viele Besucher überrascht. Das schafft Vertrauen und Interesse. Dabei geht es bei uns nicht nur um Einzelprodukte, sondern immer um einen Systemgedanken. Wir haben rund 240 Produkte, die sich zu zigtausenden Verbindungsmöglichkeiten kombinieren lassen. Unser Ansatz ist deshalb, den Nutzen ganz praktisch zu demonstrieren: weniger Aufwand, mehr Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. So vermitteln wir nicht nur Technik, sondern ein modulares System und eine Idee.
Ist das auch ein Aspekt in Ihrer Unternehmenskultur?
Unsere Kultur ist sogar ein entscheidender Faktor. Anstatt nur Kataloge zu verschicken, setzen wir auf Nähe. Und dann vermitteln wir: Unsere Produktpalette ist zwar überschaubar, aber mit unserem System können wir viele Anwendungen abdecken. Das kommt an. Durch flache Hierarchien können wir außerdem rasch reagieren, oft noch aus dem Meeting heraus. Vor Kurzem wollte ein Kunde für ein Großprojekt Produkte in einer speziellen Farbvariante einsetzen. Innerhalb einer Woche haben wir diese Lösung umgesetzt und geliefert. Solche kurzen Wege sind nur möglich, weil wir pragmatisch und nahbar arbeiten.
Stichwort Pragmatismus - gibt es bei Normung und Baurecht aktuell Entwicklungen, die Sie besonders fordern?
Grundsätzlich verstehe ich die Relevanz von Normen und Vorschriften. Gleichzeitig sind Anpassungsprozesse oft langwierig und politisch aufgeladen. Das hemmt den Fortschritt und führt dazu, dass Baustellen verzögert starten oder stillstehen. Eine Entbürokratisierung würde dem Bausektor guttun. In der Befestigungstechnik sind die Rahmenbedingungen vergleichsweise günstig. Planer geben durchaus vor, wie installiert werden soll - etwa ob mit Kabelbügeln oder Sammelhaltern -, nicht aber, welche Marke verwendet werden muss. Das lässt den Anwendern die Freiheit, selbst zu entscheiden. Diese Freiheit ist ein Vorteil - auch für Hersteller. Denn sie motiviert uns, die besten Produkte zu entwickeln.
Woran werden Sie in fünf Jahren den Erfolg Ihrer Geschäftsführung messen?
Erfolg hat für mich zwei Dimensionen. Zum einen wünsche ich mir, dass Schnabl seinen Wachstumskurs fortsetzt. Getragen von neuen Produktentwicklungen und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Portfolios. Zum anderen sehe ich Potenzial in der internationalen Expansion. Ich bin global geprägt und überzeugt, dass es Märkte gibt, in denen wir Fuß fassen können. Gleichzeitig möchte ich den bestehenden Betrieb stabil und verlässlich weiterführen. Mir geht es nicht darum, riskante Experimente einzugehen. Dafür tragen wir zu viel Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Ende soll der Erfolg daran messbar sein, dass wir Sicherheit und Perspektiven geben.
Paul Zahlbruckner ist neuer Geschäftsführer von Schnabl Stecktechnik. Er folgt auf Wolfgang Bruckbauer, der sich im Oktober aus der operativen Geschäftsführung des Entwicklers von Befestigungstechnik zurückzieht. Zahlbruckner ist seit 2022 beim Unternehmen mit Sitz im österreichischen St. Pölten tätig. Im Interview gibt er exklusive Einblicke in den vermeintlichen Nischenmarkt, lässt seine ersten Monate Revue passieren und erklärt, warum es ihm nicht um waghalsige Experimente geht.
Bild: Schnabl Stecktechnik GmbHWelche Themen haben Sie in Ihren ersten Monaten als Geschäftsführer besonders beschäftigt?
Paul Zahlbruckner: Im Vordergrund stand für mich eine reibungslose Übergabe. Ich habe eng mit meinem Vorgänger Wolfgang Bruchbauer zusammengearbeitet, um Strategien, Wissen und Erfahrungen zu übernehmen und so Kontinuität zu sichern. Er wird uns auch weiterhin in beratender Funktion zur Seite stehen. Parallel war mir der direkte Austausch mit den Kollegen wichtig. Ein Führungswechsel bringt automatisch Fragen und Unsicherheiten mit sich. Deshalb wollte ich von Tag eins an präsent sein. Operativ gab es für mich keine großen Brüche. Ich bin seit drei Jahren an Bord und konnte laufende Projekte teilweise nahtlos weiterführen. Die Übergabe war außerdem lange vorbereitet. Meine Priorität lag daher zunächst auf Stabilität und Motivation im Team. Mit Schnabl bin ich übrigens schon vor über zehn Jahren bei einem Praktikum in Kontakt gekommen, es herrscht also eine lange Verbundenheit.
Schnabl Stecktechnik GmbH
Dieser Artikel erschien in GEBÄUDEDIGITAL 6 (November) 2025 - 07.11.25.Für weitere Artikel besuchen Sie www.gebaeudedigital.de