Neuigkeiten, Zahlen und Highlights zur SPS 2025
Eine gute Portion an Optimismus
Auf der SPS in Nürnberg präsentierten vom 25. bis 27. November 1.175 Aussteller in 15 Messehallen ihre Lösungen für die smarte und digitale Automation. Mit rund 56.000 Fachbesuchern verzeichnete die Messe laut Veranstalter einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (rund 51.300 Besucher). Trotz der wirtschaftlich nicht ganz so rosigen Zeiten vermittelte die Leistungsschau zum Jahresausklang durch ihre zahlreichen Innovationen wieder eine gute Portion an Optimismus. Wie immer war das SPS-MAGAZIN an allen drei Messetagen mit seinen Redakteurinnen und Redakteuren vor Ort und präsentiert Ihnen hier ihre Highlights.
Bild: TeDo Verlag GmbHErstmals führte das ebenfalls im TeDo Verlag erscheinende Magazin SCHALTSCHRANKBAU in Kooperation mit dem Veranstalter Mesago Messe Frankfurt am dritten Tag eine Guided Tour durch.
Bild: TeDo Verlag GmbH
Bild: TeDo Verlag GmbHLösungen für IIoT, Automatisierung und Schaltschrankbau
Ein Highlight am Weidmüller-Stand in Halle 9 war u.a. das Softwareportfolio U-Software. Es umfasst das Betriebssystem U-OS, die Industrial Service Platform EasyConnect sowie Anwendersoftware für Energiemanagement, HMI/Scada und Machine Learning. Darüber hinaus lag ein besonderer Fokus auf dem Thema Cybersecurity: Zertifizierte Produkte und Kooperationen mit Partnern ermöglichen den Kunden von Weidmüller umfangreiche Schutzmechanismen. In Sachen Schaltschrankbau stand die von Weidmüller entwickelte Snap-In-Anschlusstechnologie im Mittelpunkt: schnell, intuitiv und reday-to-robot. Zudem unterstützen die Workplace Solutions Unternehmen dabei, den nächsten Effizienzschritt zum automatisierten Schaltschrankbau zu gehen. Darüber hinaus stellte das Unternehmen sein umfangreiches Beratungsangebot vor - ob für Schaltschrankbau, Energiemanagement oder Industrial IoT.
Bild: TeDo Verlag GmbHVon Klemmen bis zu KI
Beckhoff präsentierte auf der SPS nicht nur seine breite Produktpalette - häufig in Aktion an mehreren Demos - sondern auch zahlreiche Produktneuheiten. So erweitert das Unternehmen mit dem TwinCat 3 Machine Learning Creator (MLC) den Engineering-Workflow in TwinCat 3 um die automatisierte Erstellung von KI-Modellen - ganz ohne Data-Science-Vorkenntnisse. Der Schwerpunkt, der bisher auf dem Bereich Bildverarbeitung lag, wurde nun auf die Analyse zeitbasierter Prozesssignale ausgeweitet. Ein weiteres KI-Tool ist der TwinCat 3 CoAgent for Engineering (TE1700). Der persönliche Assistent unterstützt Steuerungsprogrammierer durch präzise Code-Vorschläge, smarte Optimierungen und automatische Dokumentation. Mit dem Modul TwinCat 3 CoAgent for Operations (TF1700) bringt Beckhoff diese Agenten-Technologie nun zusätzlich in den Maschinenbetrieb. Der CoAgent überwacht dabei Prozesswerte, erkennt Abweichungen und unterstützt Servicetechniker bei der Fehlerdiagnose.
Zudem ergänzt Beckhoff mit dem kompakten, leistungsstarken Servomotor AM1000 sein Economy Drive System. Zusammen mit dem Servoverstärker AX1000 entsteht ein kostenoptimiertes Antriebssystem, dass sich durch Features wie One Cable Technology (OCT), einfache Inbetriebnahme per Plug&Play und nahtlose TwinCat-Integration kennzeichnet. Mit der ED-Serie erhalten die Ethercat-Klemmen ein technologisches Upgrade, bei vollständiger Kompatibilität zu den bestehenden Baureihen. Kennzeichen der ED-Serie sind ein modernisiertes Design, die werkzeuglose Montage durch Push-In-Anschluss sowie App-basierte Diagnose via DMC-Code.
Konsequent dezentral
Wie effizient, nachhaltig und flexibel sich Automatisierungsaufgaben mit Vario-X umsetzen lassen, das zeigte Murrelektronik zusammen mit seinen Partnern auf der SPS 2025 in Nürnberg an mehreren realen Applikationen aus den Bereichen Automotive, Packaging, Logistik und Werkzeugmaschinen. Dabei wurde auch deutlich, wie die durchgängig flexible und skalierbare Automatisierungsplattform, Offenheit und Performance auf allen Ebenen und an allen Schnittstellen bietet. Die Demonstrationsanlagen zeigten anschaulich, wo die großen Vorteile liegen, wenn Anlagenbauer auf elektrische statt auf pneumatische Antriebe setzen: Alle Parameter lassen sich für die jeweilige Applikation exakt programmieren. Die Beschleunigung, die Bremszyklen, die Zahl und das konkrete Verhalten bei Zwischenstopps - alles lässt sich flexibel an die Anforderungen anpassen. Und das, dank der Solution App von Murrelektronik, kinderleicht und blitzschnell. Auch die Inbetriebnahme ist mit dieser App im Handumdrehen erledigt.
Ein digitaler Zwilling ermöglicht es, die Maschine vor der Inbetriebnahme virtuell zu testen und zu optimieren. Dank des integrierten Condition Monitorings kann man den Anlagezustand kontinuierlich überwachen und frühzeitig Maßnahmen ergreifen, bevor es zu ungeplanten Ausfällen kommt.
Bild: TeDo Verlag GmbHVon der Mechanik bis zum Datenmanagement
Im Mittelpunkt des Messeauftritts von SEW-Eurodrive stand Movi-C. Der Automatisierungsbaukasten ist die Antwort auf die Forderungen nach weniger Komplexität durch einheitliche Komponenten, einfache Parametrierung statt aufwendiger Programmierung und ein durchgängiges Datenmanagement für transparente Prozesse. Durch die intelligente Kombination aus mechanischen Komponenten und leistungsfähigen Umrichtern wird elektrische Energie effizient in Drehmoment und Drehzahl umgewandelt. Standardisierte Softwaremodule mit grafischem Konfigurationsassistenten vereinfachen die Inbetriebnahme und reduzieren Störquellen. Integrierte Sicherheitsfunktionen wie Safe Torque Off (STO) und Safe Limited Position (SLP) ermöglichen skalierbare Sicherheitslösungen.
Mit der OrchestrationSuite stellt SEW-Eurodrive zudem eine cloudbasierte Plattform für das zentrale, herstellerübergreifende Softwaremanagement bereit. Dieses skalierbare Tool ermöglicht die zentrale Verwaltung und sichere Nutzung moderner IT-Methoden in einer OT-Umgebung. Die cloudbasierte Architektur erlaubt den Zugriff mittels Webbrowser ohne lokale Software-Installation.
Aber natürlich wurde auch neue Hardware präsentiert, wie die Synchronmotoren der Baureihe CM3P.., die sechs Baugrößen mit jeweils drei verschiedenen Baulängen und drei Drehzahlklassen umfasst und die Baureihe CMP? ablöst. In der finalen Ausbaustufe werden Stillstandsmomente von 0,5 bis 47Nm verfügbar sein, wobei derzeit drei Motorbaugrößen für den unteren Drehmomentbereich in Planung sind. Alle Motoren erlauben eine hohe Überlast. Die Baureihe LM3S.. ist die dritte Generation der Elektrozylinder. Sie sind prädestiniert für Anwendungen, bei denen hohe Kräfte, schnelle Bewegungen, präzise Positionierung und eine lange Lebensdauer gefordert sind. Gegenüber den Vorgängermodellen weisen sie eine deutlich gesteigerte Geschwindigkeit und Maximalkraft bei annähernd gleichen Einbaumaßen auf. Auch ihre mechanischen und elektrischen Anschlüsse sind weitgehend abwärtskompatibel. Die neue Antriebseinheit ist in drei Baugrößen mit 8, 15 und 26kN Vorschubkraft sowie Hublängen bis 1.200mm erhältlich.
Bild: TeDo Verlag GmbHAufruf für mehr Mut zur Kooperation
Auf der SPS setzte Phoenix-Contact-COO Ulrich Leidecker klare Akzente: Die deutsche Industrie steht unter massivem Druck - durch geopolitische Verschiebungen, fragile Lieferketten und hohe Regulierung. Doch er sieht auch Chancen: Mit Technologie, Kooperation und einer konsequent globalen Aufstellung könne Europa wieder an Stärke gewinnen. So fand er deutliche Worte zur Lage der deutschen Industrie: Die Rahmenbedingungen seien weiterhin schwierig, "weil es uns an einer industriepolitischen Aufbruchsstimmung fehlt." Die Überregulierung bei Themen wie Lieferkettengesetz oder CSRD bremse Innovationen. "Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, damit wir uns wieder stärker auf Entwicklung konzentrieren können." Die jüngste Liefersperre des Halbleiterherstellers Nexperia habe gezeigt, wie verletzlich globale Lieferketten sind. Phoenix Contact habe Alternativen gefunden, doch der Fall mache deutlich: "Resiliente Lieferketten sind kein Nice-to-have mehr, sondern geschäftskritisch." Eine stärkere europäische Halbleiterproduktion sei dafür zentral. Leidecker sprach zudem von einem geopolitischen Umbruch: zwei protektionistische Wirtschaftsräume USA und China - und ein Europa, das dazwischen Position finden müsse. "Wir sind als Industrienation zu fragmentiert und zu wenig kooperationsbereit", warnte er. Besonders in der Elektromobilität verliere Europa Tempo, während China Standards schnell setze. Phoenix Contact reagiert mit einer globaleren Aufstellung: neue Standorte in Mexiko und Vietnam, gebündelte E-Mobility-Kapazitäten im polnischen Rzeszów. Gleichzeitig investiert das Unternehmen mit über 100 Millionen Euro in ein automatisiertes Logistikzentrum in Blomberg - ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Trotz Herausforderungen setze man stark auf Technologie: "Collaborate. Innovate. Create Impact Now - das ist unser Weg in eine nachhaltige Zukunft." Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, PLCnext und effiziente Energieversorgungssysteme seien dafür wesentliche Hebel. Beim Ausblick bleibt Leidecker vorsichtig. Für 2025 erwartet Phoenix Contact rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz, das Niveau von 2022 sei noch nicht erreicht. Chancen sieht er dennoch - unter einer Bedingung: "Wir können komplexe Herausforderungen meistern - aber nur, wenn wir als europäische Industrie endlich stärker zusammenarbeiten."
Bild: TeDo Verlag GmbHOffener Leistungsschalter für die Energieverteilung
Auf dem ABB-Messestand in Halle 4 war Nachhaltigkeit in der Fertigungsautomatisierung ein zentrales Thema. So macht das Programm ABB EcoSolutions diese entlang des Lebenszyklus eines Produktes messbar. Zudem stellte der Konzern Cloudlösungen für Energie- und Lastmanagement vor, die Energieflüsse transparent machen. Ein Hardware-Highlight war der neue offene Leistungsschalter ABB Sace Emax 3. Dieser bündelt präzise Messtechnologie, zuverlässige Schutzfunktionen und hohe Verfügbarkeit in einer Plattform, die sich in bestehende Systeme einfügt und für künftige Anwendungen erweitert werden kann. Der Leistungsschalter vereinfacht die Bedienung und macht Funktionen im Feld erweiterbar ohne lange Stillstände und macht Schluss mit dem umständlichen Parametrieren von Schutzfunktionen per DIP-Schalter: Statt auf kleine Hebel, Kombinations-Codes und verschachtelte Menüs setzt er auf ein HMI und ersetzt Schalterlogik durch ein intuitiv bedienbares Touch-Display. Konfiguration, Diagnose und Analyse erfolgen direkt am Gerät, über die EPiC Mobile App am Smartphone oder die Ekip Connect Software am Laptop. Herzstück der Modularität ist der Schutzauslöser Ekip Aware: Der Schalter wächst mit seinen Aufgaben und kann direkt vor Ort um Mess-, Schutz- und Kommunikationsfunktionen erweitert werden. Der Emax 3 ist aufrüstbar mit einem Security-Paket nach IEC62443-4-2 und bietet damit Cybersicherheit nach höchsten Standards, um Daten und Menschen zuverlässig zu schützen. Das umfasst sowohl die Kommunikation als auch die lokale Bedienung. Signierte Firmware verhindert manipulierte Updates, rollenbasierte Zugriffe trennen Verantwortlichkeiten sauber und gehärtete Schnittstellen (z.B. BLE/NFC nur nach Authentifizierung) reduzieren die Angriffsfläche für Cyberangriffe. Für die Anbindung an die Leitwarte steht Modbus TCP Security bereit - verschlüsselt und authentifiziert.
Bild: TeDo Verlag GmbHVirtuelle Zwillinge erleben
Im Mittelpunkt des Messeauftritts von Dassault Systèmes stand die innovative Automatisierung mit virtuellen Zwillingen, KI-gestützter Produktentwicklung sowie Sense Computing, neu interpretiert mit der Anwendung 3DLive durch die Apple Vision Pro. Besucher konnten am Stand erleben, wie die reale und die virtuelle Welt in einer leistungsfähigen Umgebung zusammengeführt werden und direkt miteinander interagieren, sodass Unternehmen Entwicklungszyklen verkürzen, Komplexität beherrschen und ihre Fertigung zukunftssicher gestalten können. Wie virtuelle Zwillinge komplette Fertigungsumgebungen, von der Robotersimulation bis zur Produktionsplanung, digital darstellen und kontinuierlich optimieren können, wurde anhand einer roboterbasierten Automatisierungszelle für Werkzeugmaschinen veranschaulicht. Dabei arbeiten Simulation, Echtzeitdaten und Automatisierung Hand in Hand. Dassault Systèmes demonstrierte zudem die neuen KI-gestützten Funktionen von Solidworks 2026 sowie den virtuellen KI-Begleiter Aura.
Bild: TeDo Verlag GmbHMarktentwicklung Elektrische Automation
Die Branche verzeichnete in den ersten neun Monaten 2025 ein reales Auftragsplus von 5 Prozent, der Umsatz blieb stabil. Lagerbestände werden abgebaut, während neue Aufträge im Maschinen- und Anlagenbau ausbleiben. Geopolitische Unsicherheiten, insbesondere die US-Zollpolitik, verzögern Investitionsentscheidungen. Jörg Freitag, VDMA Elektrische Automation, erwartet 2026 zunächst eine angespannte Auftragslage, gefolgt von einem möglichen Aufwärtstrend in der zweiten Jahreshälfte. Darüber hinaus wurde das SPS Anwender- und Besucherkomitee gegründet, um die Messe SPS sowie den ganzjährigen SPS Automation Hub konsequent an den Anforderungen der Automatisierungscommunity auszurichten. Ziel des beratenden Gremiums ist es, aus Anwender- und Besucherperspektive praxisnahe Formate zu entwickeln und technologische Trends gemeinsam mit dem Maschinen- und Anlagenbau zu identifizieren, erklärt Dr. Reinhard Heister, Geschäftsführer VDMA Elektrische Automation und Vorsitzender des Komitees.
Bild: OPC FoundationCyber-Resilienz mit Ethercat
Die Ethercat Technology Group bestätigte, dass Ethercat die Anforderungen des Cyber Resilience Acts (CRA) und des IEC62443-Standards weitgehend erfüllt. Die spezielle Chip-Architektur sorgt dafür, dass nur gültige Frames verarbeitet werden, nicht genutzte Ports deaktivierbar sind und physikalischer Zugang für Angriffe erforderlich bleibt. Für besonders anspruchsvolle Anwendungen plant die ETG Protokollerweiterungen und eine eigene Zertifizierungsstelle zur Authentifizierung von Gerätebeschreibungsdateien und Software.
Eine Plattform für Mensch und Maschine
Mit der auf der SPS vorgestellten Myzel Lifecycle Platform erweitert Pilz sein Safety- und Security-Portfolio um ein zentrales SaaS-Angebot für das Management von Maschinen und Personal. Die digitale Plattform unterstützt Produktions- und Sicherheitsverantwortliche dabei, ihre Anlagen über den gesamten Lebenszyklus hinweg sicher, effizient und normenkonform zu betreiben. Im Mittelpunkt steht der obligatorische Kern myCore, in dem Unternehmen zunächst ihre Standorte, Maschinen und Anwender digital abbilden. Alle relevanten Artefakte - von Bedienungsanleitungen über Zertifikate und Prüfprotokolle bis hin zu Mitarbeiterdaten - werden hier hinterlegt und über das integrierte Asset Management jederzeit abrufbar. So entsteht ein transparenter Überblick über den gesamten Maschinenpark. Ergänzt wird myCore durch flexibel abonnierbare Workflows, die zentrale Aufgaben entlang des Lebenszyklus unterstützen. Dazu gehören sowohl die Risikobeurteilung und Validierung von Neu- und Bestandsmaschinen als auch die strukturierte Durchführung von Wartung und Inspektion gemäß gesetzlichen Vorgaben. Zudem lassen sich individuelle Zugangs- und Zugriffsrechte der Mitarbeiter komfortabel managen. Die Workflows bieten praxisnahe Vorlagen, Checklisten und Prozesshilfen, damit Fristen, Qualifikationen und Nachweise stets aktuell sind. Ein kundenspezifisches Dashboard zeigt auf einen Blick, wo Handlungsbedarf besteht und welche Dokumente oder Maßnahmen fällig werden.
Die Cloud-basierte Lösung ist nach ISO/IEC 27017 und ISO/IEC 27018 zertifiziert, erfüllt hohe Datensicherheitsanforderungen und speichert alle Daten auf Servern in der EU. Mit der Myzel Lifecycle Platform behalten Maschinenbetreiber nicht nur ihre Dokumentation im Griff, sondern stellen auch sicher, dass ihre Anlagen in Sachen Safety und Security jederzeit auf dem aktuellen Stand sind. Die Plattform ist ab sofort verfügbar und wird kontinuierlich weiterentwickelt.
Ethernet-APL und SPE standardisiert
Die FieldComm Group, ODVA, OPC Foundation und PI (Profibus & Profinet International) haben die SPE-Spezifikation 10BASE-T1L fertiggestellt und gleichzeitig Ethernet-APL erweitert. Geräte mit höherer Leistung lassen sich nun wirtschaftlich in diskreten, ungefährlichen Fabrikumgebungen einsetzen. Power over Data Line (PoDL) und die Leistungsklassen für SPE sowie Power Class B für Ethernet-APL bis 1,16W wurden definiert. Parallel wurden Zertifizierungssysteme entwickelt, um die Interoperabilität und Qualität der Physical Layer zu sichern. Ted Masters (FieldComm Group) und Harald Müller (PI) betonten die praktische Umsetzung und die Vorteile für gemischte Protokollnetze, inklusive nahtloser Integration von HART-IP und PA-DIM.
Sichere Embedded-Lösungen
Kontron präsentierte auf der SPS gemeinsam mit Congatec modulare, sichere Embedded-Plattformen. Im Fokus stand die Verbindung des Linux-basierten Betriebssystems KontronOS mit den applikationsfertigen aReady.COM Hardware- und Software-Bausteinen von Congatec. Ziel ist es, die Entwicklung IEC62443-konformer Sicherheits- und Applikationslösungen deutlich zu vereinfachen und zu beschleunigen.Damit erhalten Anwender vorinstallierte, lizenzierte Module mit abgestimmter Hard- und Software. Die Kombination aus Congatecs Hypervisor-Technologie, KontronOS und KontronAIShield ermöglicht eine klare Trennung sicherheitskritischer Kernfunktionen von IoT-Komponenten und erhöht damit die Systemsicherheit. CEO Hannes Niederhauser betonte, dass KontronOS als sichere, modulare und standardisierte Plattform künftig auf allen Modulen bereitstehen und agil auf Anforderungen durch CRA und KI reagieren soll. Auch Congatec-CEO Dominik Ressing hob hervor, dass aReady.COM durch die Integration von KontronOS zusätzliche Flexibilität und Sicherheit bietet und die Markteinführung sicherer Systeme beschleunigt. Das Betriebssystem ist über ein Subskriptionsmodell für die Embedded-Plattform verfügbar und lässt sich modular erweitern - etwa um KontronAIShield oder KontronGrid. Die Plattform unterstützt Anwender bei der CRA-Compliance und trägt zur Senkung von Entwicklungs- und Betriebskosten bei. Grundlage ist die seit Mai bestehende Partnerschaft zwischen Kontron und Congatec, die das Computer-on-Module-Knowhow beider Unternehmen bündelt. Dadurch erhält Kontron Zugang zu einem der weltweit breitesten Embedded-Modul-Portfolios und kann sein Angebot entsprechend ausbauen.
Profinet V2.5 und Security Guidelines
Profinet V2.5 integriert IT/OT-Konvergenz, TSN-Unterstützung und Security Classes 1 bis 3. Ein neu definierter Transportkanal ermöglicht sichere Parametrierung, Toolzugriff und Firmware-Updates - für klassische Embedded-Systeme wie für virtualisierte Umgebungen. Die 'Profinet Design Guideline Security' richtet sich an Planer, Inbetriebnehmer und Betreiber, beschreibt die Auslegung sicherer Anlagen und liefert Profinet-spezifische Hinweise. Prof. Dr. Karl-Heinz Niemann betonte, dass Unternehmen so Sicherheitsprozesse frühzeitig planen können.
Digitalisierte Antriebstechnik
Wie sehr die Digitalisierung die Antriebstechnik prägt, wurde am Stand von Nord deutlich. So werden beim ECO-Service mit Hilfe der ECO-Box dauerhafte Belastungen, Lastspitzen und unregelmäßige Zustände bei den Antrieben aufgezeichnet. Die Auswertung der Daten macht Einsparpotenziale sichtbar und dient als Basis für eine Antriebsoptimierung. Zudem unterstützt der Antriebsexperte Anwender mit seiner IIoT-Lösung Drive Monitor auch in der Instandhaltungsphase mit Condition Monitoring für die Predictive Maintenance. Dabei werden dynamisch berechnete sowie sensorisch erfasste Betriebswerte der elektronischen Antriebssysteme kontinuierlich zur Weiterverarbeitung bereitgestellt. Das ermöglicht Anwendern, frühzeitig Anomalien oder Verschleiß zu erkennen und Wartungsmaßnahmen zu planen.
Erstmals stellte Nord auf der SPS als neuen Service für die Planungsphase die Simulationsmodelle für die virtuelle Inbetriebnahme seiner Komponenten vor. Das Konzept, das in Zusammenarbeit mit Machineering entwickelt wurde, wurde praxisnah an Hand einer Abfüllanlage veranschaulicht. Die digitalen Zwillinge können in einer simulierten Anlage umfassend getestet und Fehler in einem frühen Entwicklungsstadium korrigiert werden. Der Gesamtprozess von der Konfiguration bis zur Inbetriebnahme verkürzt sich damit von mehreren Monaten auf nur noch wenige Wochen.
OPC UA Compliance Test Tool erweitert
ie OPC Foundation präsentierte das Release des OPC UA Compliance Test Tools (UACTT), das die Spezifikation Version 1.05.06 unterstützt. Das Tool ermöglicht erstmals umfassende Tests für OPC UA FX und Companion Specifications. Über 2.600 Testskripte validieren Clients, Server, Pub-lisher, Subscriber sowie Global Discovery Server (GDS) auf Konformität. Durch die Prüfung funktionaler und semantischer Aspekte können Hersteller, Systemintegratoren und Endanwender die Korrektheit ihrer Implementierungen sicherstellen. Alexander Allmendinger, Test Lab Manager des European Certification Test Lab, betonte, dass die erweiterten Tests Fehler frühzeitig erkennen und den Integrationsaufwand deutlich reduzieren.
Auf der SPS in Nürnberg präsentierten vom 25. bis 27. November 1.175 Aussteller in 15 Messehallen ihre Lösungen für die smarte und digitale Automation. Mit rund 56.000 Fachbesuchern verzeichnete die Messe laut Veranstalter einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (rund 51.300 Besucher). Trotz der wirtschaftlich nicht ganz so rosigen Zeiten vermittelte die Leistungsschau zum Jahresausklang durch ihre zahlreichen Innovationen wieder eine gute Portion an Optimismus. Wie immer war das SPS-MAGAZIN an allen drei Messetagen mit seinen Redakteurinnen und Redakteuren vor Ort und präsentiert Ihnen hier ihre Highlights.
Bild: TeDo Verlag GmbHErstmals führte das ebenfalls im TeDo Verlag erscheinende Magazin SCHALTSCHRANKBAU in Kooperation mit dem Veranstalter Mesago Messe Frankfurt am dritten Tag eine Guided Tour durch.
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Dieser Artikel erschien in SPS-MAGAZIN 13 (Dezember) 2025 - 15.12.25.Für weitere Artikel besuchen Sie www.sps-magazin.de