Interview Stefan Mülhens, Geschäftsführer von InspiredE
Software als zuverlässiger Partner
Seit vielen Jahren bietet die Firma AmpereSoft in Bonn Software-Lösungen für elektrotechnische Anwendungen. Um Kundenwünsche von Schaltanlagenbauern künftig noch schneller ausrollen und speziell das Tool Configurator enger an Bedürfnissen der Anwenderinnen und Anwender ausrichten zu können, wurde Ende letzten Jahres der Geschäftsbereich InspiredE gegründet. Der SCHALTSCHRANKBAU unterhielt sich exklusiv mit Geschäftsführer Stefan Mülhens über die Hintergründe der Neugründung sowie die Anforderungen an moderne Softwarelösungen.
Bild: AmpereSoft GmbHHerr Mülhens, was war die Motivation für die Neugründung des Geschäftsbereichs InspiredE, und wie sieht die Arbeitsteilung zwischen der neuen Geschäftseinheit und AmpereSoft aus?
Stefan Mülhens: InspiredE entwickelt Engineering-Software, die in der Hauptsache den Prozess in der Schaltschrankplanung und dem Schaltschrankbau beschleunigen, die Prozessqualität verbessern und letztendlich auch die Fertigung optimieren soll. Hier spielt insbesondere unser Configurator eine große Rolle, der das Hauptwerkzeug ist, um diese Beschleunigung zu realisieren. Der Teilbetrieb InspiredE widmet sich sehr fokussiert der kontinuierlichen Verbesserung dieses Configurators. AmpereSoft hingegen kümmert sich um die Weiterentwicklung des CAE-Werkzeugs ProPlan und anderer Tools in diesem Umfeld.
Bild: AmpereSoft GmbHKönnen Sie bitte kurz erläutern, was es mit der Namensgebung InspiredE auf sich hat?
Mülhens: Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus Inspired und unserem Leitsatz 'Experience Efficiency'. Wir als Entwickler sind inspiriert von den Anforderungen im Markt und den Ideen, die durch unsere Kunden und Partner an uns herangetragen werden, um dann wiederum die richtigen Lösungen für ein effizientes Arbeiten zu erschaffen. Natürlich bringen wir auch eine jahrzehntelange Engineering-Erfahrung mit, die ebenfalls in die Entwicklung der Konfiguratoren einfließt. Aber die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden steht für uns absolut im Vordergrund, und dies sollte bei der Namensgebung unbedingt mit einfließen.
Eine maßgebliche Aufgabe von InspiredE ist, wie bereits erwähnt, die Weiterentwicklung des sog. Configurators. Was ist der Configurator, was kann er derzeit und in welche Richtung soll dieser weiterentwickelt werden?
Mülhens: Der Configurator ist eine Software mit einem Expertensystem und umfangreichem Produktwissen im Hintergrund. Der Ausgangspunkt bei der Arbeit mit dem Configurator ist, dass der Anwender zunächst die technischen Anforderungen (Einspeisungen, Abgänge, etc.) im Hinblick auf sein Projekt formuliert. Dies erfolgt in der Regel anbieterneutral und nur in sehr seltenen Fällen herstellerspezifisch. Diese Beschreibungen nutzt der Configurator, um die möglichst beste Lösung zu generieren. Beste Lösung bedeutet einmal, dass möglichst wenig Material verwendet wird, so dass der Anwender seine Kosten im Rahmen hält und ein Minimum an Bauraum benötigt. Und natürlich soll das Ergebnis zuverlässig und qualitativ hochstehend sein. Der Anwender kann sich darauf verlassen, dass die Lösung auch wirklich baubar ist. Zudem fließen noch Aspekte wie die Lieferfähigkeit bzw. Verfügbarkeit von Komponenten mit ein, damit der Kunde sein Projekt möglichst zügig realisieren kann. Mit dem Configurator decken wir Anwendungen vom Hausverteiler bis hin zur großen Energieverteilung ab. Das spiegelt auch unsere Kundschaft wider. Die Herstellerunabhängigkeit, die unsere Software auszeichnet, macht diese sehr vielfältig einsetzbar.
Das heißt der Configurator beinhaltet einmal die Herstellerinformationen, aber auch die technischen Anforderung im Hinblick auf bestimmte Anwendungen?
Mülhens: Ja, Artikeldaten, die die Hersteller in der Software hinterlegen, sind natürlich ein wichtiger Teil des Configurators. Was die technischen Anforderungen hinsichtlich bestimmter Projekte betrifft, so beschreiben wir durch Regeln die Zusammenbaubarkeit einer Anlage. Also: Welche Komponente kann in welches Modul eingebaut werden; Welches Modul kann in welchem Gehäuse montiert werden; Wie können Gehäuse kombiniert werden. Kurz: Der Configurator kümmert sich darum, dass die technischen Voraussetzungen für die Funktionstüchtigkeit einer Schaltanlage eingehalten werden - und dies alles regelbasiert. Der Anwender hat also jederzeit eine funktionierende und baubare Lösung vorliegen - und nicht an einem bestimmten Punkt einen Zwischenstand, dessen Konsistenz und technische Machbarkeit dann erst geprüft wird. Wichtig ist ferner, dass bei dieser Lösung auch möglichst wenig Material zum Einsatz kommt, so dass die Kosten reduziert sind und die Schaltanlage möglichst CO2-arm erstellt wird. Unser Ziel ist, dass die Software, auch unter Einbeziehung von künstlicher Intelligenz, für den Konstrukteur zu einem Partner wird und ihm bei der Realisierung seiner Aufgabenstellung hilft - also konkret die Erstellung einer Schaltanlage. In einer Art Interview zwischen Anwender und Software soll die bestmögliche Lösung erarbeitet werden.
Bild: AmpereSoft GmbHDie Software soll also auf Basis ihrer Erfahrung, die sie bei Projekten bereits gesammelt hat, dem Anwender eine Rückmeldung geben, was bei der Erstellung beispielsweise einer Schaltanlage für eine Klinik zu berücksichtigen ist?
Mülhens: Genau. Es fließen einmal die Erfahrungen der KI mit bestimmten Projekten, mit der typischen Arbeitsweise des Schaltanlagenbauers, aber auch die Informationen der Komponentenhersteller oder die relevanten normativen Grundlagen mit ein. Der Konstrukteur wird dann mithilfe des Configurators durch den Arbeitsprozess geführt. Es ist also eine Zielführung des Software-Anwenders zu einem korrekten und für seinen Kunden optimalen Ergebnis.
In den letzten ein bis anderthalb Jahren ist die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Elektroengineering immer stärker vorangetrieben worden - u.a. auch, um deutlich mehr Tempo bei der Erledigung von Routinetätigkeiten zu erzielen. Welchen Weg beschreitet hier Ihr Configurator?
Mülhens: Die Erzielung von mehr Tempo z.B. bei der Erstellung eines Reports oder der Einholung eines Angebots hat für mich zunächst einmal weniger mit der Implementierung von künstlicher Intelligenz, als vielmehr mit der Optimierung eines User Interfaces zu tun. Weniger Klicks bedeutet: Ich mache die Oberfläche meiner Software benutzerfreundlicher und akzeptiere nicht, dass ich für einen Arbeitsvorgang fünf Klicks benötige, wenn dieser eigentlich mit einem Klick zu bewältigen wäre. Ein anderes Beispiel: Wenn ich von Kunden das Feedback erhalte, dass diese x-mal täglich bei der Bedienung der Software den Mausanzeiger von rechts unten nach links oben auf dem Bildschirm bewegen müssen, reicht eine simple Anpassung, um dem Anwender Zeit einzusparen. Wenn ich als Software-Anbieter zuhöre und mich von den Anwendern inspirieren lasse, kann ich schon viele Verbesserungen erzielen. Die KI ist für mich ein Werkzeug, das weit über die Gestaltung einer Bedienoberfläche hinausgeht, und die durch die Kombination von Erfahrung und Wissen den Anwender an die Hand nimmt und diesen durch die Arbeit führt - wie vorhin bereits beschrieben.
Bild: AmpereSoft GmbHBietet Ihr Configurator Schnittstellen vom Engineering in die Schaltschrankfertigung - etwa zur mechanischen Gehäusebearbeitung oder der Kabelkonfektionierung?
Mülhens: Ja, natürlich bieten wir auch hier die entsprechenden Schnittstellen. Dies ist eine absolute Notwendigkeit, denn teilweise haben wir langjährige Kunden unter den Schaltanlagenbauern, die hoch automatisiert arbeiten. Wir bieten sowohl Schnittstellen, um beispielsweise aus einer Stückliste oder einem Warenkorb direkt eine Bestellung über SAP auslösen zu können. Aber natürlich bieten wir auch Schnittstellen in die Fertigung, um etwa Informationen hinsichtlich der Tragschienenlänge oder deren automatisierter Bestückung weiterzuleiten.
Maschinen-, Anlagen- und Schaltschrankbau sind traditionell eher konservative Branchen. In der Elektroplanung kommt noch sehr viel Papier zum Einsatz. Wie beurteilen Sie die Bereitschaft der Anwender, KI tatsächlich in ihre Arbeitsabläufe zu implementieren?
Mülhens: Natürlich müssen viele Betriebe in ihrem Alltag zunächst einmal Herausforderungen begegnen, die weit unterhalb einer Teil- oder gar Vollautomatisierung ihrer Fertigung und der dafür notwendigen Digitalisierung ihrer Elektroplanung anzusiedeln sind. Und sicherlich haben auch viele einen großen Respekt davor, was sich dadurch in ihrem Arbeitsalltag alles verändern könnte. Denn machen wir uns nichts vor: Es gibt in diesem Zusammenhang sicherlich auch disruptive Veränderungen. Aber sie sind erforderlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Unsere Aufgabe als Anbieter KI-unterstützter Software wird es sein, dies so auszugestalten, dass ein Vertrauen in die Tools entsteht und es Spaß macht, diese zu verwenden. Dann ist die Akzeptanzhürde auch nicht mehr so hoch. Die Reduzierung von Komplexität ist also ganz entscheidend.
Wie sehen Ihre mittelfristigen Ziele mit InspiredE aus?
Mülhens: Grundsätzlich wird es sicherlich darum gehen, dass wir den Configurator mit anderen wertvollen Funktionalitäten ausstatten, die den Engineering-Prozess noch weiter unterstützen. - und dies alles einfach handhabbar.
Seit vielen Jahren bietet die Firma AmpereSoft in Bonn Software-Lösungen für elektrotechnische Anwendungen. Um Kundenwünsche von Schaltanlagenbauern künftig noch schneller ausrollen und speziell das Tool Configurator enger an Bedürfnissen der Anwenderinnen und Anwender ausrichten zu können, wurde Ende letzten Jahres der Geschäftsbereich InspiredE gegründet. Der SCHALTSCHRANKBAU unterhielt sich exklusiv mit Geschäftsführer Stefan Mülhens über die Hintergründe der Neugründung sowie die Anforderungen an moderne Softwarelösungen.
Bild: AmpereSoft GmbHHerr Mülhens, was war die Motivation für die Neugründung des Geschäftsbereichs InspiredE, und wie sieht die Arbeitsteilung zwischen der neuen Geschäftseinheit und AmpereSoft aus?
Stefan Mülhens: InspiredE entwickelt Engineering-Software, die in der Hauptsache den Prozess in der Schaltschrankplanung und dem Schaltschrankbau beschleunigen, die Prozessqualität verbessern und letztendlich auch die Fertigung optimieren soll. Hier spielt insbesondere unser Configurator eine große Rolle, der das Hauptwerkzeug ist, um diese Beschleunigung zu realisieren. Der Teilbetrieb InspiredE widmet sich sehr fokussiert der kontinuierlichen Verbesserung dieses Configurators. AmpereSoft hingegen kümmert sich um die Weiterentwicklung des CAE-Werkzeugs ProPlan und anderer Tools in diesem Umfeld.
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Dieser Artikel erschien in SCHALTSCHRANKBAU 1 (Februar) 2026 - 25.02.26.Für weitere Artikel besuchen Sie www.schaltschrankbau-magazin.de