Steuerschrank für Kryopumpe

Kein Standard war robust genug

Im internationalen Forschungsprojekt Iter entsteht in Südfrankreich der weltweit größte Fusionsreaktor. Ziel ist die Gewinnung sauberer Energie durch die Verschmelzung von Wasserstoffkernen zur langfristig emissionsfreien Stromerzeugung. Am Projekt sind 35 Nationen beteiligt. Das für die Kernfusion erforderliche Vakuum, dessen Druck nahezu der Leere des Weltraums entspricht, lässt sich nicht allein mit mechanischen Pumpen erzeugen. Daher kommen zusätzlich mehrere Kryopumpensysteme mit spezieller Regeltechnik zum Einsatz. Herkömmliche Steuerungssysteme konnten den extremen Bedingungen des Tokamak-Reaktors jedoch nicht standhalten. Die Lösung entwickelte das Unternehmen Konstandin, das bereits acht Pneumatik-Großzylinder für die Kryopumpen lieferte.

Bild: ITER/EJF RicheBild: ITER/EJF Riche
Die Luftaufnahme von 2025 veranschaulicht eindrucksvoll die Ausmaße des Iter-Fusionsreaktors in Südfrankreich.

In Kooperation mit RI Research Instruments und der Iter Organisation entstand ein weltweit einzigartiger Pumpensteuerungsschrank, der die groß dimensionierten Einlassventile mit einem Durchmesser von fast 1.000 Millimetern präzise mit einem Ventilspiel von unter 1mm regelt und den hohen Anforderungen an Magnetfeld-, Strahlungs-, Wärme- und Vibrationsbeständigkeit genügt. "Bei Iter gibt es keine Standardlösungen, jedes Bauteil muss eigens entwickelt werden", erklärt Mathias Kraft, Leitung Konstruktion und Technik bei Konstandin. Der Satz bringt die Anforderungen an das neue Projekt auf den Punkt. Denn für die Steuerung der Kryopumpen war eine Konstruktion notwendig, die nicht nur zuverlässig arbeitet, sondern unter Umgebungsbedingungen funktioniert, die weltweit einzigartig sind. Iter steht für International Thermonuclear Experimental Reactor und gilt als das ambitionierteste Energieprojekt der Gegenwart. In dem Tokamak-Reaktor sollen künftig Temperaturen entstehen, die höher sind als im Inneren der Sonne. Um diese kontrollierbar zu halten, ist ein hocheffizientes Vakuumsystem unverzichtbar. Sechs Kryopumpen übernehmen die Aufgabe, die beim Fusionsprozess entstehenden Gase abzusaugen. Für diese Pumpen war jedoch kein passendes Steuerungssystem verfügbar.

Konstandin GmbH

Dieser Artikel erschien in SCHALTSCHRANKBAU 3 (April) 2026 - 13.04.26.
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