Wiederaufbereiteter Sanftstarter und elektronischer Schutzschalter mit neuen Funktionen
Recycling ohne Qualitätsverlust
Siemens Smart Infrastructure stellte im Rahmen der Messe Light + Building 2026 wichtige Fortentwicklungen seines Portfolios industrieller Steuer- und Schutzgeräte vor. Das Unternehmen bringt mit dem Sirius 3RW5 -Z R11 (refurbished) einen wiederaufbereiteten Sanftstarter auf den Markt, der nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickelt wurde. Zudem erweitert Siemens die Funktionen seines halbleiterbasierten elektronischen Schutzschalters Sentron ECPD (Electronic Circuit Protection Device). Diese Entwicklungen sollen Kunden in industriellen Umgebungen dabei helfen, die elektrische Sicherheit zu erhöhen, die Systemverfügbarkeit zu steigern und die Umweltbilanz zu verbessern. Auf der Messe in Frankfurt hatte die SCHALTSCHRANKBAU-Redaktion die Gelegenheit, mit den Produktverantwortlichen über die Neuerungen zu sprechen.
Bild: TeDo Verlag GmbHAuf der Fachmesse Light & Building 2026 stellte Siemens den kreislauffähigen Sirius 3RW5 -Z R11 Sanftstarter (refurbished) vor und macht damit einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Das Produkt entsteht in einem kontrollierten Verfahren zur Wiederaufbereitung gebrauchter Sanftstarter. Durch den geringeren Ressourcenverbrauch werden die CO2-Emissionen im Vergleich zu einem Neugerät um bis zu 50 Prozent reduziert. Der Prozess wird anhand von Umweltproduktdeklarationen (EPD) transparent dokumentiert.
Bild: Siemens AGNachhaltigkeit Thema für jede Unternehmensgröße
Hinsichtlich der zu erwartenden Marktakzeptanz bemerkt Christopher Warter, Produktmanager für Nachhaltige Produkte bei Siemens Smart Infrastructure, Electrical Products: "Natürlich war das Thema Nachhaltigkeit vor einigen Jahren noch sehr stark von den Großunternehmen getrieben: einmal aus strategischen Gründen, weil sie auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle einnehmen wollten. Aber natürlich auch sehr stark von der Gesetzgebung und Regulatorik motiviert, weil sie ihren CO2-Fußabdruck nachweisen müssen. Mittlerweile zeigen sich aber auch die mittelgroßen oder kleineren Unternehmen unter unseren Kunden sehr interessiert an nachhaltigen Produkten. Wichtig ist, mit Zahlen und Fakten zu untermauern, dass diese Lösungen eine hohe Qualität und Langlebigkeit besitzen." Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ausreichende Mengen an gebrauchten Geräten wiederaufbereiten zu können, war es nötig, Kundenbeziehungen und Bezugsquellen neu zu strukturieren: "Was das Refurbishment von der Reparatur unterscheidet, ist die 1:N-Beziehung. Bei der klassischen Reparatur handelt es sich ja immer um eine 1:1-Beziehung: also ein Kunde reicht sein Gerät bei uns ein, um es reparieren zu lassen, und erhält dann dieses Gerät wieder zurück. Bei der 1:N- oder N:N-Beziehung reicht ein Kunde A sein Gerät bei uns ein, und ein Kunde B kauft dann das wiederaufbereitete Produkt." Auf diese Weise könnten Firmen, die klassischerweise keine Käufer von Sanftstartern sind, in die Lieferkette mit einbezogen werden. Ein Beispiel hierfür sind Recyclingunternehmen, die sich auf die Wiederverwertung von Gerätschaften alter Industriehallen spezialisiert haben.
Bild: Siemens AGUmfassende Prüfung bei der Wiederaufbereitung
Bei der Wiederaufbereitung durchlaufen die gebrauchten Geräte eine umfassende Prüfung. Kritische Komponenten werden ausgetauscht, und alle Funktionen werden getestet, um die Qualitätsstandards für Neugeräte zu erfüllen. Das Ergebnis ist ein technisch gleichwertiger Sanftstarter, der hinsichtlich Installation, Parametrierung und Funktionalität vollständig kompatibel ist und eine nahtlose Integration ermöglicht. Die Geräte sind CE-zertifiziert; CCC-, UL/CSA- und ATEX-Zertifizierungen sind in Vorbereitung. "Wir geben dem Kunden die Gewährleistung, dass ein wiederaufbereitetes Produkt die gleichen technischen Eigenschaften erfüllt wie ein Neugerät", betont Warter.
Modularität als wichtiges Kriterium
Der wiederaufbereitete Sanftstarter wurde nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickelt. Dank seiner Modularität lässt er sich einfach demontieren und reparieren. Identifizierbare Komponenten ermöglichen eine effiziente Wiederaufbereitung. "Innerhalb des Sanftstarters befinden sich hauptsächlich Schraub- und Steckverbindungen, nichts ist verklebt", erläutert Christopher Warter. "Zudem ist ein Controller mit einem Speicher implementiert. Der liest und schreibt sozusagen das erste Leben des Sanftstarters mit - Alter des Geräts, Häufigkeit und Zeitpunkte der Schaltvorgänge, Temperatur bei den Schaltvorgängen etc." Als intelligentes Gerät liefert es Nutzungs- und Zustandsdaten aus dem ersten Lebenszyklus und ermöglicht so die gezielte Wiederaufbereitung für einen zweiten Lebenszyklus. Der ID-Link, ein eindeutiger QR-Code, gewährleistet die Rückverfolgbarkeit für Produkte im ersten und im zweiten Lebenszyklus. Dieser ID-Link und eine derzeit in Entwicklung befindliche Datenarchitektur, die Asset Administration Shell (AAS) und Distributed Ledger Technology (DLT:IOTA) nutzt, ebnen den Weg für einen digitalen Produktpass (DPP) im Einklang mit der EU-Verordnung über die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte (ESPR) und gewährleisten Transparenz und revisionssichere Informationen zum Lebenszyklus. Übrigens: Kunden haben nach wie vor die Wahlmöglichkeit, sich zwischen einem neuen und einem wiederaufbereiteten Sanftstarter zu entscheiden.
Elektronisches Schutzschaltgerät mit integrierter Differenzsstromüberwachung
Das 2024 auf den Markt gebrachte halbleiterbasierte Sentron ECPD zeichnet sich durch eine bis zu 1.000-mal schnellere sichere elektronische Schaltung aus, um die Kurzschlussenergie zu verringern und Systeme und Anlagen zu schützen. Es bietet eine Vielzahl an konfigurierbaren Funktionalitäten in einem einzigen Gerät, reduziert den Platzbedarf im Verteiler um bis zu 80 Prozent und ermöglicht eine flexible, softwarebasierte Parametrierung. In naher Zukunft wird die einphasige Version des Schutzschaltgerätes als Variante Leitungsschutz mit integrierter Differenzstromüberwachung (RCM Residual Current Monitoring) erhältlich sein. Die RCM-Funktion ermöglicht die kontinuierliche Überwachung von Differenzströmen und damit die frühzeitige Erkennung von Fehlern in Stromkreisen - ohne Unterbrechung des Betriebs. Dies gewährleistet eine hohe Systemverfügbarkeit rund um die Uhr und den Schutz wertvoller Geräte. Diese Funktionalität eignet sich besonders für Anlagen mit hoher Sicherheitsrelevanz und/oder hohen Anforderungen an die Systemverfügbarkeit, wie z.B. Rechenzentren, Messen, Beleuchtung oder industrielle Anwendungen. "Bei kritischen Kundenapplikationen ist bei Differenzströmen nicht immer eine Abschaltung gewünscht, eine Überwachung der Anlage aber gefordert", sagt Christian Albrecht, Head of Product Management Circuit Protection bei Siemens Smart Infrastructure. Darüber hinaus kann die RCM-Funktion wiederkehrende Isolationsprüfungen ersetzen und so Wartungsabläufe vereinfachen. Für Drehstromanwendungen plant Siemens außerdem die Einführung einer dreiphasigen Ausführung des Sentron ECPD (400V / 32A / 50Hz), für den Einsatz in Infrastruktur- und Industrieanwendungen wie Förderbänder, Aufzüge, Wärmepumpen, Klimaanlagen, sichere und stabile Stromverteilung bei Veranstaltungen oder USV-Anlagen. Auch das Sentron ECPD zahle auf das Thema Nachhaltigkeit ein, so Albrecht. "Es handelt sich hier um ein multifunktionales Produkt, das bis zu zehn verschiedene Geräte vereint. Würde man herkömmliche Produkte verwenden, wären dies summa sumarum mehr als 500 Varianten, die Kunden bestellen und lagern müssten. Zudem verwenden wir für das ECPD bis zu 30 Prozent recyceltes Material." Durch das schnelle Abschalten des ECPD entsteht zudem kein Lichtbogen im Gerät, der gelöscht werden müsste. Während empfohlen wird, einen Leitungsschutzschalter nach mehr als drei Abschaltungen mit maximalen Kurzschluss auszutauschen, kann der ECPD solche Abschaltungen beliebig oft und ohne Verschleiß durchführen. Auch dies trage zur Ressourceneffizienz und zur Sicherheit der Anlage bei, bemerkt Christian Albrecht abschließend.
Siemens Smart Infrastructure stellte im Rahmen der Messe Light + Building 2026 wichtige Fortentwicklungen seines Portfolios industrieller Steuer- und Schutzgeräte vor. Das Unternehmen bringt mit dem Sirius 3RW5 -Z R11 (refurbished) einen wiederaufbereiteten Sanftstarter auf den Markt, der nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entwickelt wurde. Zudem erweitert Siemens die Funktionen seines halbleiterbasierten elektronischen Schutzschalters Sentron ECPD (Electronic Circuit Protection Device). Diese Entwicklungen sollen Kunden in industriellen Umgebungen dabei helfen, die elektrische Sicherheit zu erhöhen, die Systemverfügbarkeit zu steigern und die Umweltbilanz zu verbessern. Auf der Messe in Frankfurt hatte die SCHALTSCHRANKBAU-Redaktion die Gelegenheit, mit den Produktverantwortlichen über die Neuerungen zu sprechen.
Bild: TeDo Verlag GmbHAuf der Fachmesse Light & Building 2026 stellte Siemens den kreislauffähigen Sirius 3RW5 -Z R11 Sanftstarter (refurbished) vor und macht damit einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Das Produkt entsteht in einem kontrollierten Verfahren zur Wiederaufbereitung gebrauchter Sanftstarter. Durch den geringeren Ressourcenverbrauch werden die CO2-Emissionen im Vergleich zu einem Neugerät um bis zu 50 Prozent reduziert. Der Prozess wird anhand von Umweltproduktdeklarationen (EPD) transparent dokumentiert.
Siemens AG
Dieser Artikel erschien in SCHALTSCHRANKBAU 3 (April) 2026 - 13.04.26.Für weitere Artikel besuchen Sie www.schaltschrankbau-magazin.de