Interview zum Thema Einsatz von DC-Systemen in Rechenzentren
"Viele wollen jetzt schnell umsteigen"
Immer mehr Rechenzentren setzen auf Gleichstromversorgung, auch getrieben durch die hohen Leistungsanforderungen von KI-Anwendungen. Zafer Cankurtaran, Product Manager Direct Current Technology bei Rittal, erklärt, warum DC-Systeme in Sidecars dabei zum neuen Standard werden - heute und in der Zukunft.
Bild: Rittal GmbH & Co. KGHerr Cankurtaran, warum ist der weltweite Markt für Rechenzentren so in Bewegung?
Zafer Cankurtaran: Der Bedarf an Rechenleistung wächst rasant - KI-Anwendungen treiben ihn enorm. Statt 11kW wie bei Standard-Apps ziehen KI-Racks heute bis zu 140kW, bald 300 bis 600kW, perspektivisch geht es sogar bis zu 1MW pro Rack. Bei diesen Leistungsanforderungen werden die Schwächen der AC-Technik spürbar: Jeder Wandlungsschritt von AC zu DC bedeutet Verluste. Zudem führt die niedrige Spannung auf AC-Seite zu hohen Strömen und damit einem starken Mehrbedarf an Kupferleitungen, Netzteilen und weiteren Komponenten - platzraubend, ineffizient und teuer.
Bild: Rittal GmbH & Co. KGGibt es bei den Betreibern konkrete Ansätze, wie sie ihre Rechenzentren auf DC umstellen?
Die Betreiber wollen ihre Leistungselektronik zunehmend in sogenannte Sidecars auslagern. Diese liefern Gleichstrom, zum Beispiel ±400V DC, direkt an die Server-Racks. Durch höhere Spannung sinken die Ströme, der Kupfereinsatz wird deutlich reduziert. Zudem entfallen viele Wandlungskomponenten - so sparen die Sidecars Platz und Kosten und verbessern Effizienz sowie Zuverlässigkeit.
Bild: Rittal GmbH & Co. KGWird das aktuell schon umgesetzt?
Ja, etwa bei Telekom-Rechenzentren mit 400V DC, wie bei NTT. Ein wichtiger Impuls kommt von der Vereinigung Open Compute Project (OCP), die mit Diablo 400 eine entsprechende DC-Infrastruktur mit einem Sidecar global standardisiert hat - unterstützt von Microsoft, Meta, Google und Rittal. In der OCP wurde eigens eine Projektgruppe gegründet, die sich mit der DC-Infrastruktur im gesamten Rechenzentrum befasst. So eine Standardisierung ebnet den Weg für die breitere Anwendung.
Sind alle nötigen Komponenten dafür verfügbar?
Alle Bausteine sind bereits heute marktverfügbar. Nur native Server mit ±400V DC fehlen noch - aber auch hier sind zügig Lösungen zu erwarten.
Wie unterstützt Rittal die Betreiber von Rechenzentren beim Umstieg von AC auf DC?
Rittal ist bereits bei den meisten Hyperscalern und großen Colocators als Lieferant für IT-Infrastruktur anerkannt. Zugleich werden die Vorteile durch den Einsatz von Gleichstrom in Rechenzentren immer bekannter - deshalb wollen viele jetzt schnell umsteigen. Rittal hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Umstieg mit Lösungen aus den Bereichen Energy & Power, Racks, Kühllösungen sowie den entsprechenden Serviceleistungen mitzugestalten.
Bild: Rittal GmbH & Co. KGWie hoch ist der konkrete Effizienzgewinn?
Neben der Verbesserung des PUE (Power Usage Effectiveness) überzeugt vor allem der Ressourcenvorteil: Zwei statt vier Leitungen, 50% weniger Kupfer, weniger Komponenten - das spart ebenso Geld wie Platz, und es erhöht die Ausfallsicherheit.
Was kommt nach den ±400V-DC-Sidecars?
Der nächste Schritt ist eine vollständige ±400V-DC-Versorgung vom Grid bis zum Rack. Technisch möglich, aber realistisch vor allem für Neubauten. Bestehende Rechenzentren setzen zunächst auf Sidecars - ein pragmatischer Zwischenschritt. Innerhalb der Open Direct Current Alliance (ODCA) und mit der OPC treiben wir den Wandel voran.
Wann rechnen Sie mit ±400V DC im Rechenzentrum?
In zwei bis drei Jahren sollen erste Projekte umgesetzt werden. Ab 2030 wird die ±400V-Gleichstromversorgung zum neuen Standard - sie ist der Schlüssel für die Rechenzentrumsarchitektur der Zukunft.
Immer mehr Rechenzentren setzen auf Gleichstromversorgung, auch getrieben durch die hohen Leistungsanforderungen von KI-Anwendungen. Zafer Cankurtaran, Product Manager Direct Current Technology bei Rittal, erklärt, warum DC-Systeme in Sidecars dabei zum neuen Standard werden - heute und in der Zukunft.
Bild: Rittal GmbH & Co. KGHerr Cankurtaran, warum ist der weltweite Markt für Rechenzentren so in Bewegung?
Zafer Cankurtaran: Der Bedarf an Rechenleistung wächst rasant - KI-Anwendungen treiben ihn enorm. Statt 11kW wie bei Standard-Apps ziehen KI-Racks heute bis zu 140kW, bald 300 bis 600kW, perspektivisch geht es sogar bis zu 1MW pro Rack. Bei diesen Leistungsanforderungen werden die Schwächen der AC-Technik spürbar: Jeder Wandlungsschritt von AC zu DC bedeutet Verluste. Zudem führt die niedrige Spannung auf AC-Seite zu hohen Strömen und damit einem starken Mehrbedarf an Kupferleitungen, Netzteilen und weiteren Komponenten - platzraubend, ineffizient und teuer.
Rittal GmbH & Co. KG
Dieser Artikel erschien in SCHALTSCHRANKBAU 5 (September) 2026 - 01.09.26.Für weitere Artikel besuchen Sie www.schaltschrankbau-magazin.de